Steigende Strompreise: Was da gerade genau passiert, erfährst du hier.

Steigende Strompreise: Was da gerade genau passiert, erfährst du hier. 2200 1529 Pia

Die Strompreise steigen – doch was genau bedeutet das eigentlich? Was ändert sich für enyway als Marktplatz für Ökostrom, für unsere Stromverkäufer*innen und für dich als Kund*in? 

Warum steigen die Strompreise? 

Du wirst es sicherlich über die Nachrichten verfolgt haben: Die Strompreise eilen aktuell von Rekordhoch zu Rekordhoch und das weltweit. Deutsche Verbraucher*innen haben noch nie mehr für eine Kilowattstunde Strom bezahlt als zum gegenwärtigen Zeitpunkt. 
Woher kommt dieser rasante Anstieg? 

Bei der dramatischen Erhöhung der Strompreise spielen viele komplexe Prozesse zusammen. Konkret geht es dabei um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, die Erhöhung der CO2-Bepreisung, die gegenwärtig geringe Einspeisung durch erneuerbare Energien und zeitgleich hohe Strompreise für die konventionelle Stromerzeugung aufgrund steigender Weltmarktpreise für fossile Brennstoffe.


Erholung von der Corona-Pandemie
Zunächst sind die hohen Strompreise auf eine gestiegene Nachfrage im Zuge der Erholung von der Corona-Pandemie zurückzuführen. Der Höhepunkt der Krise scheint überwunden und ein Großteil der Unternehmen ist inzwischen wieder zum Tagesgeschäft übergegangen. Dieser wirtschaftliche Aufschwung hat zwangsläufig auch zu einer erhöhten Nachfrage in punkto Energie geführt. So zeichnet sich insbesondere das für die gesamte Welt produzierende Land China derzeit durch einen besonders hohen Energieverbrauch aus und wie allgemein bekannt ist, bestimmt die Nachfrage den (in diesem Fall weltweit steigenden) Preis.


Steigende Preise für CO2-Zertifikate 
Gleichzeitig treiben die Zusatzkosten für die über den Europäischen Emissionshandel vertriebenen CO2-Zertifikate die Stromkosten weiter in die Höhe. Ein CO2-Zertifikat berechtigt dazu, innerhalb einer bestimmten Zeitspanne eine Tonne Kohlendioxid zu produzieren. Mithilfe dieser Regelung soll die Menge an CO2, die in unsere Luft geleitet wird, begrenzt werden. In den vergangenen 24 Monaten hat sich der Preis für das Emissionsrecht mehr als verdoppelt. Einerseits werden dem deutschen Staat dadurch Rekordeinnahmen beschert, andererseits wirken sich die gestiegenen Preise auch auf die Strompreise aus. So ist der Großhandelspreis an der Strombörse mittlerweile auf den höchsten Stand seit 2008 geklettert. Klingt paradox, ist aber ökonomisch erklärbar: Auch auf Ökostrom wirkt sich der Preis für CO2 aus, da Ökostrom rein preislich mit dem Strom aus fossilen Energieträgern konkurriert und somit zum gleichen Preis gehandelt wird.


Niederschlag und schwacher Wind 
Dass die Großhandelsstrompreise vorübergehend steigen, kann auch immer Mal an vermehrtem Niederschlag und schwachem Wind liegen. Denn wenn das eintrifft, können Solaranlagen und Windkraftwerke nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen und es kommt zu geringerer Einspeisung der erneuerbaren Energien in das allgemeine Stromnetz – was in den letzten Monaten leider vermehrt der Fall war. Ein Grund mehr, den Ausbau der erneuerbaren Energien zügig weiter voranzutreiben. Aber derzeit eben leider auch noch ein Grund, das dann entstehende Defizit aus fossilen Energieträgern ausgleichen zu müssen – und hier steigen derzeit eben die Kosten.


Steigende Weltmarktpreise für fossile Brennstoffe 
Aufgrund der gestiegenen Nachfrage schießen derzeit auch die Preise für fossile Energieträger wie Erdöl, Erdgas und Kohle in die Höhe. Besonders in Schwellen- und Entwicklungsländern ist der Energiebedarf stark angestiegen, was darauf zurückzuführen ist, dass der dortige Energieverbrauch mit dem Wirtschaftswachstum im Verhältnis zu den Industrieländern überproportional gestiegen ist. Rohstoffhändler wissen von dieser Abhängigkeit und können sich daher sicher sein, dass auch höhere Preise gezahlt werden. 

Großbritannien befindet sich derweil in einer Gaskrise. Hier sind die Preise um ca. 50% gestiegen. Grund dafür sind die Folgen der Corona-Pandemie auf der einen und die des Brexits auf der anderen Seite. Da der Gasverbrauch aufgrund der Pandemie im vergangenen Jahr stark zurückgegangen und erst in diesem Jahr wieder angezogen ist, wurde im Frühjahr darauf verzichtet, bereits Gas für den Winter einzuspeichern. Stattdessen wurde Gas aus den bisherigen Speichern entnommen, um die zu diesem Zeitpunkt explodierende Nachfrage zu decken – Gas, das dem Land heute fehlt. Während einzelne Industrie- und Agrarbetriebe bereits schließen mussten, drohen andere mit mit einem Produktionsstopp.  

Auch Deutschland ist von der Preiserhöhung für fossile Brennstoffe betroffen, jedoch in einem kleineren Ausmaß, da durch die Aufrüstung mit erneuerbaren Energieanlagen bereits ein Teil des landesweiten Strombedarfs abgefangen werden kann (auch wenn dieser noch deutlich ausbaubar ist). Dennoch sind auch bei uns im Land die Lagerbestände seit dem vergangenen Winter knapp, was unter anderem daran liegt, dass bei der Beschaffung zu lange gezögert worden ist. Da in Deutschland noch immer die Hälfte der Haushalte mit Gas heizen, wird auch in den kommenden Wintermonaten mit einem gesteigerten Bedarf und entsprechend hohen Preisen gerechnet.

Inwiefern die Stromverkäufer*innen auf der enyway Plattform von der Strompreiserhöhung betroffen sind 

In Anbetracht der beschriebenen Umstände kommt bei dir zu Recht die Frage auf, welche Auswirkungen die weltweite Erhöhung der Strompreise auf deinen Vertrag hat und auch auf unsere Stromverkäufer*innen, mit denen wir zusammenarbeiten. 
Die Stromverkäufer*innen auf enyway können deinen Strom nur zu einem bestimmten Anteil zeitgleich mit deinem Verbrauch produzieren. In den Zeiten, in denen bspw. die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht, kauft dein*e Stromverkäufer*in 100% zertifizierten Ökostrom aus anderen Produktionen dazu. Da dieser branchenüblich zu Marktpreisen angeboten wird, muss dein*e Stromverkäufer*in stets darauf achten, dass der Betrag so ausgerichtet ist, dass er*sie nicht mehr für den dazu gekauften Strom bezahlt, als er*sie von dir einnimmt. 

Um keine Verluste zu machen, benötigt dein*e Stromverkäufer*in außerdem auch für den von ihm*ihr selbst produzierten Strom einen Betrag, der ungefähr dem Marktwert entspricht. Da die Vergütung, die dein*e Stromverkäufer*in über das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) erhält, auf der Differenz zum Monatsmarktwert (Marktprämie) basiert, muss der von ihm*ihr festgelegte Preis in der Lage sein, über seine Differenz die Finanzierung der entsprechenden Anlage zu sichern. Deshalb orientiert er*sie sich auch hier am Niveau des Marktes – jedoch ohne, dass er*sie selbst dabei mehr verdient.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass sich nach und nach jeder Stromanbieter dem Preisdruck des Strommarktes beugen werden muss – manche früher und andere später. Großkonzerne sind aufgrund ihrer Liquidität eher in der Lage, Strom langfristig einzukaufen und dadurch auch länger niedrige Preise halten zu können. Kleine Stromversorger wie dein*e persönliche*r Stromverkäufer*in hingegen, sind dazu nicht in der Lage, da sie nicht über die gleiche Geldmenge wie große Konzerne verfügen. Sie sind daher gezwungen, ihre Preiserhöhung bereits ab Dezember 2021 vorzunehmen. 

Und was das konkret für dich als enyway Kund*in bedeutet: 

Fest steht, dass unsere Stromverkäufer*innen trotz aller Bemühungen nicht darum herumkommen werden, ihre Strompreise den steigenden Energiepreisen anzupassen. Da zum gegenwärtigen Zeitpunkt niemand sagen kann, wie lange die aktuelle Inflation auf dem Strommarkt noch andauern wird, können auch wir dir leider keine Auskunft darüber geben, ob und wann du wieder deinen gewohnten Preis zahlen wirst. In einer anderen Sache sind wir uns dafür aber mehr als sicher: Wir brauchen erneuerbare Energien und wir brauchen sie dringender denn je. Damit wir ein verlässliches Netz aus Erneuerbaren schaffen können, benötigt es nicht nur Stromverkäufer*innen, sondern auch Endverbraucher*innen. Indem du auch weiterhin deinen Ökostrom über enyway beziehst, trägst du weiterhin einen großen Teil zur Energiewende und somit zum Klimaschutz bei! 


Noch Fragen? 
Wenn du weitere Fragen zum Thema Strompreiserhöhung hast, kannst du dich jederzeit mit einer Mail an unseren Kundenservice (hallo@enyway.com) wenden. Dort wird dir gerne geholfen!


Unsere Quellen für diesen Beitrag:
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/strompreise-deutschland-vergleich-rekordhoch-eeg-101.html 

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/energie-co2-zertifikate-immer-teurer-rekordeinnahmen-fuer-den-staat-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-210802-99-660735 

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/klima-nachhaltigkeit/co2-zertifikate-bringen-rekordeinnahmen-strompreis-steigt-17465425.html 

https://www.n-tv.de/wirtschaft/Wird-auch-in-Deutschland-das-Gas-knapp-article22846941.html

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